Erwartungen oder was ein Kindergeburtstag mit dem Arbeitsalltag gemeinsam hat

Immer wieder erleben wir im Alltag Situationen, die uns an Themen im Beruf erinnern. Zum Beispiel neulich bei einem Kindergeburtstag: Viele Geschenke, ein kleiner Junge mit leuchtenden Augen, der es nicht erwarten konnte, diese auszupacken und einige Erwachsene, die hofften, mit ihrem Geschenk herauszustechen. Viele Erwartungen auf beiden Seiten …

Genauso läuft es auch im Arbeitsalltag. Mitarbeitende und Vorgesetzte mit vielen Erwartungen und Hoffnungen. Die meisten davon nicht laut ausgesprochen, sondern im stillen für sich.

Denn über Erwartungen wird im Berufsalltag erstaunlich wenig gesprochen. Vielleicht, weil man Konflikte scheut oder weil man davon ausgeht, dass die eigenen Erwartungen sowieso jedem klar sind. Aber: Wenn man nicht darüber redet, ist die Chance, dass Erwartungen erfüllt werden, viel kleiner. Und allfällige Konflikte sind nur verschoben, keinesfalls verhindert.

Was wäre also besser?

Mit anderen über eigene Erwartungen sprechen, regelmässig und frühzeitig. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit stark, dass sie erfüllt werden. Oder sie können – sofern es überzogene Erwartungen sind – Schritt für Schritt langsam auf den Boden der Realität hinunter geholt werden. So wird grossen Enttäuschungen vorgebeugt.

Auch beim Kindergeburtstag hätte es geholfen, vorab über unrealistische Erwartungen zu sprechen. Denn der elektrische, rote Kinderferrari, der zuoberst auf der Wunschliste stand, war leider in keinem der Päckli. Man kann sich den Rest des Geburtstagsfests sicher gut vorstellen …

Und auch wenn sich Reaktionen auf enttäuschte Erwartungen im Berufsleben nicht ganz so tränenreich zeigen, haben sie dennoch Folgen. Beispielsweise vermindern sie die Zufriedenheit von Mitarbeitenden mit dem Job, dem Arbeitgeber oder dem Team.

Wie aber spricht man Erwartungen denn am besten an?

  • nicht zu viel auf einmal wollen, besser nur eine Erwartung aufs Mal und nicht viele gleichzeitig
  • Zeitpunkt und Ort gut wählen, damit man genügend Zeit und Ruhe hat (damit das Gegenüber auch wirklich zuhören und verstehen kann)
  • flexibel sein, falls die Umsetzung nicht genau nach den eigenen Wünschen möglich ist (über alternative Wege nachdenken & sprechen)
  • vorab überlegen, ob man zu einem Thema wirklich eine Erwartung stellen soll/muss oder ob man um etwas bittet (eine Bitte ist weniger zwingend und dieser Unterschied kann auch die eigene Reaktion auf eine Ablehnung beeinflussen)
  • auf einen guten Ausgleich achten, denn die Erwartungen der anderen haben gleich viel Gewicht wie die eigenen

Fazit: Erwartungen anzusprechen ist sinnvoll, aber benötigt etwas Vorbereitungszeit. Denn es ist wichtig, dass man sich gut überlegt, welche und wie viele Erwartungen man an andere stellt. Je weniger in der Anzahl und je klarer und besser sie für das Gegenüber nachvollziehbar sind, desto eher werden sie erfüllt.